Richard Wagner in Frauenkleidern. Das hat dem Theater noch gefehlt. Warum musste diese sarkastisch satirische Denkmalschändung 20 Jahre bis zur Uraufführung in Kölns Theater-Haus auf Eis liegen?  Autor Berndt W. Wessling blieb sich auch hier dem Erfolgsmuster von fake und reality-horror-picture-show treu. Das verhalf schon seinem legendären Comedy-Knaller „Genoveva oder die Weiße Hirschkuh“ zu fast 200 Inszenierungen. 

„Richie“ Wagner - der genialisch opulente Heavy-Metal-Rocker der Gründerzeit-E-Music-Scene: außer bösem Buben war er auch ein schlimmer Stecher, der sich in (aus) seinen heftigen Liebschaften den kreativen Kick holte. Zu Hause im Boudoir war er ganz „femme“ – passiv und soft. Richard – als Ricarda ein Traum in rosa  - gibt Mathieu Carrière. Ein devoter Wiedergänger seiner geliebten Cosima  – die als schwarze Peitschenlady Cosimo (Brigitte Weckert) eisenhart an ihrem Richarddenkmal meißelt. Kurzum: ein Blick durchs Schlüsselloch auf den ganz normalen modernen Beziehungshorror.

"Cosimo und Ricarda" - von der Regisseurin und Dramaturgin Sophie Sowa entdeckt, "geliebt" und als bittersüße Farce und hintergründiges Satyrspiel inszeniert, wird sich dieses bisher verschämt verschwiegene Wagner-Outing erstmals in Deutschland - und hier dem Kölner Theaterpublikum in Uraufführung - offenbaren.

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